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Freud
und Leid eines Konsulfahrers Text: Günter Bruer Fotos: Bruer, Archiv Heiler Es
war beschlossene Sache. Sechs Wochen vor der Wiedervereinigung
mit der DDR starteten vier wetterfeste Jungs an einem wunderschönen Septembertag. |
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Endlich konnte
ich einmal richtig durchatmen. Dieses befreiende Gefühl, dieser
volle Sound, dieses einzigartige Klackern. Man fuhr gemütlich über
Schlüchtern, Fulda, Wasserkuppe und Ehrenberg. Nein! Sollte jetzt schon meine Freude getrübt sein? Meine Kumpels waren schon ein Stück vor mir ... der Motor heulte auf, ohne Kraft auf das Antriebsrad; der komplette Kopplungskorb war lose und hatte Keil und Konus in Mitleidenschaft gezogen. »Ei, was haste denn schon widder am Maschinsche«, fragte der Offenbächer BMW Fahrer mit grinsen. »dass kann doch net wahr sei, mer hawwe doch ewe erst de Schwimmer gewechselt!« Die Kumpels hatten schnell erkannt, dass hier eine größere Schrauberei fällig war und zogen es vor, in einer Gaststätte ihren Hunger zu stillen. Nach vielen Schweißtropfen, und 2 Körnerschlägen auf die 18x1,5er Mutter, brachte ich den Kupplungskorb wieder in die richtige Lage. Mit hungrigem Magen ging die Fahrt weiter nach Tann und dann über die Zonengrenze Schmalkalden, die ja nun offen war. In Steinbuch (Thüringer Wald) wurde übernachtet. Am nächsten Tag ging es weiter nach Suhl, Saalfeld, Hohenwarte–Talsperre, Schleiz. In Plauen mussten wir zwangsweise übernachten, denn an meiner Konsul war eine Demontage von Tank und Sattel fällig, weil Öl aus Zylinderkopfabdeckung und Ventildeckel spritzte. Das Motorgehäuse wurde auch undicht! Von wegen ... man brauche keine Gehäusedichtung! Dichtungsmittel wurden in einer Drogerie erworben. In der folgenden Nacht konnte ich nicht schlafen. Ich sah lauter grüne Männchen mit Schraubenschlüssel, die meine Konsul ganz zerlegten! Nach kurzem Frühstück ging es weiter auf die Autobahn in Richtung Chemnitz, Abfahrt Zschopau zum Motorradmuseum Augustusburg, Freiberg, Richtung Dresden die Elbe entlang nach Königstein. In Bad Schandau wurde übernachtet. Meine Kumpels hatten bis jetzt nicht mal einen Schraubenschlüssel ausgepackt; und ich war der Überzeugung, dass auch mir ein nochmaliges Missgeschick nicht mehr passieren könne. Ohne Probleme ging es zur Bastei im Elbsandsteingebirge, Lausitzerland über Löbau, Görlitz, Niesky. Hier wurde in einem ehemaligen Stasi–Bungalow übernachtet. Bad Muskau über Cottbus, Spreewald Lübbenau Rüdingsdorf war die nächste Etappe. Hier trafen wir einen Russischen Offizier, der ausgiebig Wodka spendierte.
Die Insel Rügen
hatten wir durch meine Schrauberei bereits vom Reiseplan gestrichen.
Aber das neue Ziel war Berlin: Eine Fahrt durch das Brandenburger Tor! Zurück
ging die Fahrt Richtung Wittenberg und Dessau
mit Übernachtung. Am nächsten Tag hatten unsere Motorräder
einmal Pause und wir genossen eine Fahrt mit der Harzbahn ab Wernigerode. »Kluge Köpfe kaufen Konsul«
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Günter war auf dieser Tour ganz schön vom Konsul-Fehlerteufel geplagt. Doch heute kann er über die Geschichte nur noch schmunzeln. |